Sehr geehrte HerausgeberInnen, ChefredakteurInnen, RessortleiterInnen, Sendungsverantwortliche, JournalistInnen und VertreterInnen der Journalistengewerkschaft!

Kennen Sie die Geschichte vom Esel, dem eine Karotte vor der Nase baumelt? Der Esel bewegt sich, weil er die Karotte erreichen will. Irgendwann bemerkt er, dass die Entfernung zur Karotte immer gleich bleibt, unabhängig davon, wie sehr er sich anstrengt. Uns jungen JournalistInnen geht es genau so. Unabhängig von unserer Leistung und unserem Engagement, kommen wir nicht ans Ziel. Daher drängt sich uns die Frage auf: “Können und wollen wir uns in Zukunft diesen Journalismus leisten?” Wir wenden uns jetzt an die Öffentlichkeit, da unsere Situation nicht länger tragbar ist!  

Wir arbeiten unter prekären Arbeitsverhältnissen, die von Billiglöhnen und befristeten Anstellungen oder freier Tätigkeit geprägt sind. Die Bezahlung erfolgt willkürlich: Freie PrintjournalistInnen werden nach Zeichen und Sätzen, manchmal nach Stunden und selten pauschal abgegolten. Freie Fernseh- und RadiojournalistInnen werden nach Beiträgen bezahlt, die sie sich in den Redaktionssitzungen mit anderen freien KollegInnen erkämpfen müssen. Viele von uns werden mit unterbezahlten, befristeten Teilzeitverträgen hingehalten, deren vorgesehenes Arbeitspensum nie der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit entspricht. Diese werden immer wieder durch Kettenverträge verlängert und hindern uns daran, ein ausreichendes Einkommen zu erlangen! 

Die eigentliche Arbeit, nämlich die zeitintensive Recherche, das Schreiben, Aufnehmen, Schneiden, Gestalten oder Produzieren, wird nicht entlohnt.  Selbst wenn wir mit vollem Einsatz für mehrere österreichische Medien tätig sind, jeden Auftrag annehmen und permanent selbst Geschichten anbieten, kommen wir nur mit äußerster Mühe auf einen Bruttolohn von 1000 Euro pro Monat. Gleichzeitig haben wir keinerlei arbeitsrechtliche Ansprüche und müssen uns daher selbst versichern. Durch die Sozialversicherung fallen knapp 200 Euro monatlich weg. Nach Steuerabgaben liegt der Nettolohn bei knapp 700 Euro. Und das für einen Vollzeitjob mit Nachtarbeit und Wochenenddiensten. Demnach leben wir unter der Armutsgrenze: Das österreichische Durchschnittseinkommen von Armutsgefährdeten liegt bei 994 Euro im Monat! 

Parallel dazu zeichnen sich mehrere Entwicklungen ab: Die Akademikerquote unter jungen JournalistInnen ist so hoch wie nie zuvor. Viele von uns studieren auf Journalismushochschulen oder haben ein Fachstudium absolviert. Zusätzlich zu unserer guten Ausbildung haben wir eine Vielzahl an Praktika vorzuweisen, Auslandserfahrungen gesammelt und sprechen mehrere Sprachen fließend - schließlich wird das auch von uns verlangt. Wir sind die viel zitierte “Generation Web 2.0”, die auch mit multimedialen Elementen umzugehen weiß. Diese zusätzlichen Qualifikationen werden nicht honoriert! 

ChefredakteurInnen, Sendungsverantwortliche und RessortleiterInnen füllen ihre Seiten und Sendungen mit günstigen Inhalten freier, meist junger JournalistInnen und anderer prekär arbeitenden KollegInnen, um Kosten zu sparen und Profite zu maximieren. In Wahrheit sparen sie aber bei der redaktionellen Qualität, missachten ihre Verantwortung gegenüber den KonsumentInnen und führen den österreichischen Journalismus damit in die Bedeutungslosigkeit. Der unter JournalistInnen allgemein bekannte Merksatz „Freie werden ausgebeutet, das ist eben so“ ist ein Armutszeugnis und beschämend für die gesamte Branche! 

Wir sind weder in der Redaktion verankert, noch haben wir eine starke Gewerkschaft, die sich für unsere Anliegen einsetzt. Im Gegenteil: Die Berufsvertretung lässt uns im Stich, indem sie die Privilegien von gut verdienenden beziehungsweise fest angestellten KollegInnen sichert. Gerade die Gewerkschaft hat in der Vergangenheit keine Anstalten gemacht, sich für eine Änderung unserer unhaltbaren Situation stark zu machen. Es scheint, als komme die Gewerkschaft ihrer eigentlichen Aufgabe - dem Hintanhalten von Ausbeutung der ArbeitnehmerInnen, egal ob frei, angestellt oder auf Werkvertragsbasis - nicht mehr nach!

Wer unsere Rechte beschneidet und uns nicht fair bezahlt, riskiert nicht nur eine ausgelaugte Generation an jungen, neuen JournalistInnen, sondern auch einen dauerhaften, handfesten Konflikt. Mit Ihrer Lohnpolitik schaffen Sie sich äußerst unzufriedene JournalistInnen. Es ist an der Zeit, nicht nur die weltpolitischen Geschehnisse kritisch zu betrachten und einzuordnen, sondern auch Kritik an den Arbeitsbedingungen der Branche zu üben. Gute Arbeit hat ihren Preis. Nur eines wird Ihnen und auch unserem Land teurer kommen: Das Kranksparen des Journalismus!

 

Sehr geehrte MedienmacherInnen,

  • Wir fordern eine ausgiebige Selbstreflexion!

  • Wir fordern einen auf gewerkschaftlicher Basis eingeführten Mindestlohn für junge JournalistInnen!

  • Wir fordern ein Ende und Verbot prekärer Dienstverhältnisse aller Art im österreichischen Journalismus!

  • Wir fordern eine faire und angemessene Entlohnung von freien DienstnehmerInnen in österreichischen Medien!

  • Wir fordern ein Verbot von Kettenverträgen, insbesondere solchen, die durch zeitweilige Unterbrechung des Dienstverhältnisses als normale befristete Teilzeitarbeit getarnt sind!

  • Wir fordern eine Anstellung von JungjournalistInnen, die bereits seit Jahren als freie MitarbeiterInnen für ein Medium arbeiten!

Die Liste der UnterstützerInnen finden Sie auf www.paroli-magazin.at

Darüber hinaus stehen wir jederzeit für eine Diskussion zur Verfügung und streben einen längerfristigen Dialog an.



Stellvertretend im Namen aller UnterzeichnerInnen,

Ihre paroli Redaktion

  • S.R. Ayers - Donkey ChaseIllustration: S.R. Ayers

Unterstützen

UnterstützerInnen

Barbara
Ginzinger
ehemals freie Dienstnehmerin
27

Renate
Stiglitz
Redakteurin
50

Timon
Mikocki
freier Dienstnehmer
26

Branko
Maksimovi?
pensionierte Anchorman TV Slowenien
66

Birgit
Riegler
Online-Redakteurin, angestellt
32

Martina
Lettner
5 jahre lang "fixe-freie", dann branche gewechselt
30

Thomas
Kugler
Radiomoderator
39

Marie
North
Online-Redakteurin, angestellt
29

Marco
Rossi
Photograph
28

Christian
Schäfer
Publizistikwissenschaftler
28

Roman
Winiwarter
IT Systemadministrator
39

Michael
Köppel
Sprecher/Moderator Ö1
32

Niklas
Perzi
freier Historiker und Journalist
41

Hans
Zerdahelyi
privat
68

Sebastian
Pumberger
Online-Redakteur
27

Gerlinde
Knaus
Freiberufliche Journalistin
50

Martin
Mair
Frei schwebende Existenz mit Minisicherung
47

Thomas T.
Meikl
Künstler, ehem. Journalist
33

Thomas
Buchacher
Künstler
31

hans christian
voigt
freier
40

elfriede
spoerk-soegner
pens.
59

Reinhard
Christl
Leiter Institut f. Journalismus FHWien
50

Sofia
Khomenko
Chefredakteurin mokant.at
22

Regula
Troxler
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
26

Christine
Pap
freie Redakteurin
29

Marion
Amad
Grafikerin
24

Jon
Mendrala
Journalist
31

Ulrich
Schleicher
Musiker
23

Angelika
Prawda
Journalistin
23

Oliver
Binder
Sportler u. Student
26

Walter
HEINRICH
Personentransportgewerbe
22

Nicole
Gollner
Freie Journalistin
38

Tünde
Kiss
Angestellte
26

Eva
Zelechowski
Freie Journalistin
34

Paula
Watzl
Studentin
20

martin
krusche
autor
56

christoph
kneitschel
copywriter & creative director freelance
44

Walter
Breschjak
Angestellter
44

Kurt
Gürtner
demächst EPU
60

Günter
Exel
Marketingconsultant
47

Anna
Wieder
Studentin
24

Hans Walter
Grössinger
Freier Journalist und Autor
68

Dieter
Braeg
ehem. Text&Sprechsteller
72

Matthias
Bernold
Freier Journalist
37

Severin
Ernst
Student
26

Lisa
Mayr
Journalistin
33

Julieta
Rudich
Redakteurin
49

Anna
Mayer
Pensionist
64

Wolfgang
Schobesberger
Redakteur
35

sylvia
wendrock
inspizienz
31

Anna
Masoner
Journalistin Radio
29

Teresa
Arrieta
freie Journalistin Radio und Video
41

Sabine
Nikolay
Radiojournalistin, Historikerin
46

Andreas
Zinggl
Radiojournalist, frei
47

Christian
Muckhoff
Angestellter
20

Ewald
Zwinz
Agenturleiter zwinz.wien
49

Daniel
Gilic
freier Redakteur
27

Maximilian
Daublebsky
Journalismus Student
26

Michael
Freitag
Profiler
33

Katharina
Seidler
freie Journalistin
26

Irene
Zöhrer
angest. Journalistin
28

Günter
Felbermayer
Chef vom Dienst/Online-Redakteur
40

Wolfgang
Leitner
Facharbeiter
28

Erich
Grossar
Unternehmer
55

Magdalena
Jöchler
Freie Journalistin
27

Micaela
Taroni
Freie Journalistin
40

Jasmin
Al-Kattib
freie Journalistin
31

Raoul
Mazhar
Chefredakteur, ärztemagazin
42

Hubert
Kickinger
Online-Redakteur (befristete Anstellung)
32

Tristan
Sindelgruber
Angestellter (befristet)
45

Fritz
Keller
Aktivistischer Pensionist
67

Erich
Lichtkoppler
Pensionist
69

Wolfgang
Krumm
Student
32

Michael
Gradwohl
Angestellter
30

Christina
Putz
Journalismusstudentin
21

Sabina
Zeithammer
freie Journalistin
28

Peter
Sonnenberg
Journalist/Pressereferent
29

Irene
Mayer-Kilani
freie Journalistin
39

Nikolai
Atefie
Chefredakteur von Medieninsider.at
17

Sonja
Dries
Studentin, Freie Journalistin
24

Manfred
Horak
Freier Journalist + Herausgeber von Kulturwoche.at
45

Johannes
Stühlinger
Angestellter, Seitenblicke Magazin
31

Sebastian
Bauer
Student / freier Journalist / freier PR-Berater
24

Raoul
Mazhar
Chefredakteur, ärztemagazin
42

Theresa
Aigner
Pauschalierte Journalistin
26

Evi
Rieder
Dienstleistungs-Ich-AG im Embryopnalstadium
54

Dominique
Stiefsohn
Journalismus Studentin
30

Jan
Pöltner
Journalismusstudent
19

Katja
Weiland von Ruville
freie Journalistin
32

Hannah Lina
Schifko
Journalismusstudentin, freie Mitarbeiterin, Texterin
20

Martin
Ferstl
Selbständig
32

Wolfgang
Dietl
Angestellter
33

karl
fluch
redakteur
45

Sarah
Seekircher
Journalistin (angestellt, zuvor 1,5 Jahre Freie)
27

Vincent
Sufiyan
Angestellter
27

Kathrin
Limpel
Pressesprecherin
29

Mohamed
Salem
Freiberufler
23

Anita
Triebl
Freie Werbetexterin
37

Bernd
Ammann
Hausierer
26

Werner
Schrittesser
Publizistikstudent
62